Elternbild eines missbrauchten Jungen

Die beiden Zeichnungen entstanden 2011 zu Beginn meiner Traumatherapie.

Die erste Zeichnung zeigt ein Flashback, das in mir häufiger aufblitzt. Sie hält einen Moment fest, als ich einst 14jährig mit meiner Schwester beschloss, den Vater abzustechen. Wir schlichen uns hinter ihn, als er an seinem Schreibtisch saß. Er saß da wie so oft, seine Umgebung ignorierend, obenrum nur mit einem Leiberl bekleidet in seinem Kanzleisessel. Ich hielt ein großes Küchenmesser in meiner Faust. Es war ein unglaubliches Gefühl. Einerseits voll Hoffnung, diesen Tyrann aus der Welt zu schaffen, andererseits voll Angst vor den Folgen der eigenen bösen Tat, doch mehr noch voll Angst, dass sich der Vater umdrehen könnte und uns so sehen würde; denn dann hätte ich gegen den Berserker mein Leben mit dem Messer in der Hand verteidigen müssen. Also stand ich nur für einen Augenblick hinter ihm, das Messer zum tödlichen Stich erhoben, ehe ich mich wieder abwand und mit meiner Schwester aus dem Raum schlich. Seitdem fantasiere ich gelegentlich, die Situation und sehe das Blut, an der Lehne seines Stuhls herabrinnen. Es ist ein kindlicher Wunsch nach Rache nach rückwirkender Weichenstellung in ein Leben ohne weitere Schändung durch die Eltern, der in diesem Bild waltet. Ein naives, was wäre wenn … als könnte ungeschehen werden, was geschah. Ja, es ist ein seltsamerweise immer noch glimmender Hoffnungsfunke, einstiger Hoffnung.

 

 

 

 

 

 

 

Die zweite Zeichnung zeigt eine Vision der Mutter. Als ich sie damals meiner Therapeutin zeigte, wollte sie mit mir über die Zeichnung sprechen, doch ich lehnte ein Gespräch darüber ab. Ich wollte die ganze Pein und Verachtung, die ich mit dieser Skizze festhielt nicht zerreden, und so geht es mir auch heute noch, das Bild spricht weit mehr, als ich mit Worten sagen könnte. Hier würde nur jedes Wort mein eigentliche Empfinden kleinreden … Also lasse ich das Mutterbild, auch diesmal für sich sprechen.

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