Reflektion zum Muttertag

©M. Mala


Ja, es gibt Mütter, die zum Muttertag zurecht geehrt werden; deren Kinder ihre Mütter auch mit Freude beschenken. Die Mutter von mir schnappselte an diesem Tag, wie auch an anderen Tagen. Nachdem der Vater von mir mich einmal schrecklich verprügelte, weil ich der Mutter keine Blumen zum Muttertag geschenkt hatte, brach ich seitdem in fremden Gärten Flieder von den Büschen. Die Mutter von mir schlug mich hingegen nur selten; dafür missbrauchte sie mich sexuell über zehn Jahre von meinem sechsten Lebensjahr an. Nur einmal wollte sie mich mit einem Küchenmesser abstechen, weil ich ihr in einem kurzen Streit argumentativ überlegen war. Sie fuchtelte mit dem Messer vor mir und brachte mich so zum Schweigen, worauf sie abließ und ich mich verdrücken konnte.

Mutterbindung

Doch weiter möchte ich nicht über diese Frau reflektieren. Mütter sind kein Geschenk an die Kinder, sondern ihr erstes Schicksal. Im Gegenzug sind Kinder häufig ein Geschenk für die Mütter, aber vielfach auch störend, belastend und letztlich auch unerwünscht. So ein Kind hatte sich die werdende Mama nicht vorgestellt, wobei hier schon der erste Fehler ihrer Mutterschaft vorliegt. Das Kind kommt, um ein Mensch zu werden. Es muss seinen Weg gehen und hat nicht die Vorstellungen der Mutter zu erfüllen. Jede Mutter, die das nicht erkennt und verinnerlicht, vernachlässigt bereits ihr Kind, weil sie sein eigenes Streben kupiert. Wie wichtig die Fürsorge der Mutter für die Entwicklung ihres Kindes ist, zeigt sich an der Mutterbindung des Säuglings. Bereits während der Schwangerschaft beginnt es, die Stimme und den Geruch der Mutter zu erinnern. Nach der Geburt ist die Ruhephase, während der das Kind bei der Brust der Mutter liegt, gehalten und gestreichelt wird und wieder ihre Stimme hört, für die emotionale Entwicklung essentiell. Auch während das Kind aufwächst sind liebevolle Berührung sowie kuscheln unerlässlich für seine Menschwerdung.

Doch leider ist diese Mutterbindung bei vielen Menschen nicht der Start in ein gesundes selbstbewusstes Leben, sondern wird vielmehr zum ersten Baustein einer späteren Traumabindung durch Deprivation. Zuneigung ist das Grundbedürfnis eines Kindes. Es hat zuerst die Mutter, der es sich zuneigen kann, von der es zudem Zuneigung erwartet nur leider häufig nicht erhält. Oft wird dieses kindliche Bedürfnis nach Annahme und Bestätigung nicht mal böswillig verweigert. Es ist meist Unachtsamkeit und Überforderung der Mutter, wodurch das kindliche Bedürfnis brach bleibt.

Wie oft sehe ich Kinder, die stumpf in ihrem Kinderwagen liegen, während die Mutter ihm jegliche Achtsamkeit verweigert, indem sie mit ihrem Handy daddelt oder telefoniert. Das Kind blickt dabei seine Mutter verhalten an, es hat längst gelernt, dass seine Versuche auf Interaktion meist vergeblich bleiben. Es wird ignoriert. Das ist nicht nur pure Missachtung, das ist auch eine spezifische Form von Kindesmisshandlung, denn durch dieserart Deprivation wird auch die Hirnentwicklung des Säuglings massiv geschädigt. Wie weit und nachhaltig diese Hirnschädigung sein kann, habe ich in dem Beitrag „Spuren des Missbrauchs“ in diesem Blog festgehalten (Link).


Das Kind als Waffe der Mutter


Gerade bei Trennungskonflikten wird ein Kind von der Mutter häufig als Waffe gegen den Kindsvater eingesetzt. Die Geschichten sind dazu sind zahlreich und grausam. Das Kind wird dabei von der Mutter zum Objekt gemacht, dass man beliebig manipulieren kann, um zum einen seine Macht zu demonstrieren und auszukosten, und zum anderen den Vater seelischen Schmerz zuzufügen. Der Dreckskerl soll leiden, wenn möglich bis hin zu seinem Suizid. In der Tat steigt die Suizidrate von Vätern bei Kindesentzug durch die Mutter um das zweieinhalbfache. In meiner Filmkritik zum Film „Weil du mir gehörst“ reflektiere ich über die Folgen solcherart Elternentfremdung (Link).


Jüngst fiel das Urteil in einem besonders krassen Fall von Kindesentzug. In Attendorn im Sauerland ging eine 49 Jahre alte Mutter so weit, dass sie ihre fünfjährige Tochter nach ihrer Trennung vom Kindsvater schlicht verschwinden ließ, indem sie sie einsperrte und ihr über sieben Jahre jeden Kontakt zur Außenwelt unterband. Das Kind verschwand aus dem Kindergarten, aus der Nachbarschaft und aus dem heimischen Garten. Das Gericht verurteilte die Mutter zu fünf Jahren Gefängnis wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen, Freiheitsberaubung und Verletzung von Erziehungspflichten (Link).

Das Mädchen wurde nach seiner Auffindung bei einer Pflegefamilie untergebracht. Die Folgen seiner Deprivation sind nicht absehbar. Die Mutter raubte ihr jedenfalls die gesamte Kindheit, indem sie ihre Tochter in der Phase seiner Entwicklung vom Kind zur Jugendlichen aus ihrer Mitwelt riss. Das war ein Akt herzloser Kälte und brutaler physischer Gewalt. Es bleibt nur zu hoffen, dass das Mädchen in seiner Pubertät und Adoleszenz stabil bleibt und mit Hilfe qualifizierter Therapeuten sein Trauma in erträglichen Bahnen annehmen und lenken kann. Heil wird sie nicht mehr werden, sondern bestenfalls eine geflickte Seele, eine Überlebende sein.

Die Richterin meinte zudem in ihrem Urteil, dass die Mutter „keine Monstermutter“ gewesen sei. Das Mädchen sei nicht misshandelt worden. Auch Geburtstage, Ostern und Weihnachten wären gefeiert worden. Welch ein Hohn kann ich da nur sagen; oder welch eine Verkennung der seelischen Situation eines Missbrauchsopfers. Nein, um ihre Tochter zu missbrauchen, musste die Täterin ihr nicht an die Wäsche. Es genügte ein Weihnachten im mütterlichen Kerker. Während das Christkind von Engeln besungen wurde, umfing das von seiner Mitwelt isolierte Kind nur kalte Einsamkeit.

Das sind meine Gedanken zum Muttertag. Ich denke an die Rabenmütter, die meine, die meiner Frau, oder an jene die ihre Kinder prostituieren, misshandeln, missbrauchen, vernachlässigen oder verleugnen, an jene Frauen über die man nicht spricht, nichts schreibt, nichts skizziert, weil sie nicht in das derzeitige Narrativ der viktimisierten Frau ­- der Frau als Opfer – passt. Obgleich viele dieser Frauen in Wahrheit nicht Opfer sondern Täterinnen sind. Eine dieser zwiespältigen Frauen war meine Schwiegermutter. Ich bloggte über sie (Link). Dabei war sie eine „Victima Matre“, eine Frau, die ihre Kinder quält, missbraucht und tötet. Ihr Leid war ihre Tochter, die sich gegen ihre böswilligen Schikanen wehrte und sich nicht dauerhaft verkuppeln ließ. Die Schmach und Schande die sie über ihre Tochter goss, war der Ausfluss ihrer eigenen Schändlichkeit.


Alle Jahre wieder ist der Muttertag der Triggertag für alle Missbrauchsopfer, die von ihrer Mutter geschändet wurden.

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