Ich verwende häufiger den Begriff „Schändung“, um Sexualverbrechen zu benennen. Ich weiß, einige lehnen diesen Begriff für sich und die Opfer ab. Für mich trägt jedoch dieser Begriff die richtige Konnotation in sich. Sexualverbrechen ist dagegen ein denotativer Begriff, eine Kategorie unter vielen Verbrechensarten, der nichts über die erlittene seelische und körperliche Verletzung sagt. Ich verwende die Begriffe ohnehin aus der Sicht eines Opfers, also nicht aus der Sicht eines anderweitig Betroffenen, eines Polizisten, Psychologen, Juristen oder gar der Täter. Schändung ist zudem für Jungen, die sexuellen Missbrauch erlebten, der treffendere Begriff, da Jungen hierdurch auch heute noch in Schande stehen. Das bedeutet ein geschändeter Junge wird für lange Zeit verstummen, weil er sich für das, was ihm widerfahren ist, abgrundtief schämt. Was ihm widerfahren ist, stellt sein Selbstverständnis als Mann infrage. Darüber zu berichten, wäre für ihn das Eingeständnis seiner Unmännlichkeit.
Dementsprechend wird der sexuelle Missbrauch durch Frauen gegenüber Jungen als sexuelle Einweihung durch eine reife Frau verklärt. Erwachsene Männer, die als Jungen missbraucht wurden, reden diese Erklärung fort, um ihre eigene Schmach zu leugnen. Sie reden sich ihre Vergewaltigung schön, obwohl sie wissen, dass sie den Beischlaf mit ihrer Mutter, Lehrerin, Nachbarin oder Verwandten keineswegs wollten. Kein Junge träumt vom Sex mit einer für ihn alten Frau. Weiterlesen