Vom Trauma mit der Traumatherapie

Harte_Nuss

Meine derzeit noch laufende Psychotherapie findet alsbald ihr Ende, da dann der vom Fonds Sexueller Missbrauch zur Verfügung gestellte Etat von 10.000 € aufgebraucht sein wird. Da ich auch nach nunmehr 200 Stunden Traumatherapie – über vier Jahre verteilt – nach wie vor in einer akuten posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) stecke, bin ich erneut auf der Suche nach einem neuen Therapeuten. Diese Suche erweist sich für mich als eine beträchtliche psychische und gesundheitliche Belastung; denn der Disstress, der mit ihr einhergeht, ist außergewöhnlich. Er ist eine zusätzliche Bürde zu meiner, durch die akute PTBS ohnehin bestehenden psychosomatischen Belastung. Ja, ich kann sagen diese Therapeutensuche ist von retraumatisierender Wucht. Und diese niederschmetternde und mich zurückwerfende Wucht ist noch dazu systemimmanent, das heißt sie wird durch die Regeln der Krankenkasse, die Einstufung posttraumatischer Erkrankungen und die Beschränkung sozialer Hilfeleistung wie dem Opferentschädigungsgesetz (OEG) provoziert. Durch diese umfassende Leistungsbeschränkung wird das Leiden zahlreicher Posttraumatisierter unnötig verlängert und vielfach auch verschlechtert. Durch fehlende Hilfeleistung chronifiziert das Posttrauma, das Vertrauen zu Therapeuten wird unterminiert, und als Folge daraus können weitere psychische und somatische Erkrankungen entstehen. Etliche Posttraumatisierte scheiden deswegen verzweifelt durch eigene Hand aus ihrem Leben.

Bevor ich mich gezielt zur gesellschaftlichen Dimension dieser Leistungsverweigerung oder der hingenommenen Ausgliederung Posttraumatisierter äußere, möchte ich an meinem Erleben die Dimension dieser zusätzlichen Belastung exemplarisch skizzieren. Weiterlesen