Strukturen des Missbrauchs am Beispiel der Manipulationskraft von Tätern oder ein Elefant im Zimmer

MaxErnst

Wenn ich von Tätern schreibe, schreibe ich nicht von Männern, sondern von Männern und Frauen. Es gibt männliche und weibliche Pädokriminelle, die Kinder und Jugendliche, Mädchen und Buben, mit ihrer sexualisierten Gewalt konfrontieren. Das reicht von Anzüglichkeiten, Eindeutigkeiten, über Grabschereien, ungewollte Umarmungen und Zärtlichkeiten, bis hin zu Exhibitionismus und direkten sexuellen Handlungen, Vergewaltigung und Folter.

Als Illustration zu diesem Beitrag sehen Sie das Bild „Die Jungfrau Maria verhaut den Menschensohn vor drei Zeugen“ von Max Ernst. Max Ernst provozierte damit einen kleinen Skandal. Er malte aber – sicher unbedacht – auch einen Stereotyp von Kindesmisshandlungen, denn diese Verbrechen geschahen und geschehen häufig vor aller Augen, nur kaum jemand nimmt sie wahr. So auch im Fall des Jesuskindes, schließlich wurde uns nicht überliefert, dass die Heilige Jungfrau ihm gegenüber je die Hand erhoben hätte.

Dieser Tage erschütterte der Missbrauchsfall aus Staufen bei Freiburg die Öffentlichkeit. Ein Bub wurde über zwei Jahre von seinem siebten Lebensjahr an von seiner Mutter und deren pädophilen Lebensgefährten sexuell missbraucht und via Internet prostituiert. Männliche Kinderschänder aus ganz Europa reisten in den Schwarzwald, um den Jungen zu vergewaltigen. Und wie so oft, wenn ein Verbrechen die Grenzen der Vorstellungskraft streift, werden die immergleichen Fragen gestellt: Wie konnte das geschehen? Warum hat niemand etwas gemerkt? Gab es keine Anzeichen? Weiterlesen