Zweimal musste ich heute das Riechfläschchen in der Stadt aufschrauben und tief inhalieren, damit ich nicht in der Dissoziation entschwinde beziehungsweise die aufkommenden Bilder mich nicht aus mir selbst drängen.
Das erste Mal war in der Straßenbahn, eine Adipöse, der die von Platznarben übersäte Bauchschwarte unter dem zu knappen Leibchen heraushing. Ich sah die braungraue Haut – sie war Mulattin -, und die Panik stieg in mir auf, ich fühlte mich angegriffen.
Das nächste Mal triggerte mich eine Dralle in peinlicher Short. Ihre blanken, feisten Schenkel rieben sich aneinander und man konnte die dunkel verfärbte, gereizte Haut erkennen, die nah am Schritt zwei großflächige Male gebildet hatte. Es war unterirdisch, doch ich wandte mich ab, erwähnte die Sicht Ruth gegenüber und erklärte mir einmal mehr, dass diese Erscheinung sich nicht wegen mir vor mir durch die Straßen bewegte. Doch schon ums Eck auf den Jakobsplatz zugehend, sprang mich ein weiterer Trigger an. Es war nur ein kurzer Blick, als wir an den Wirtstischen vorbeigingen. Eigentlich überhaupt kein Blick, ich sah nur flüchtig über die Leute, die da saßen. Doch ein Detail löste sich aus dem Bild, und als ich schon wieder weiter und die Perspektive längst eine andere war, sah ich, was ich zuvor nicht wahrgenommen hatte, den tiefen Blick unter den Rock in den Schritt einer – auch diesmal wieder – fülligen Frau. Es war die gefürchtete Kittelschürzenperspektive meiner Kindheit. Weiterlesen
